jens | cocon | phonatic
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text und ton
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ein letzter wiederbelebungsversuch und nun, nach 7 jahren, das kurze ende vom langen abschied: mein treuer freund vestax wollte auch kein neues netzteil, wollte eigentlich gar nichts mehr, hatte genug von seinem entfremdeten dasein, den zig-mal ausgetauschten einzelteilen, rumpeligen reisen im kofferraum, grau gerauchten wackeltischen und wagemuten zuprostereien über seinem nicht mehr ganz so schicken equinox tattoo. den aufgespritzten körper voller ersatzteile stand er, seit einem letzten konzert in darmstadt vor ein paar monaten, angestaubt und endgültig in seiner ecke. eine rückrufaktion von den toten wäre grade viel mehr als zuviel erwartet, wo noch nicht mal die letzte vinyl bestellung bezahlt ist. dass ich die platten, wenn sie dann da sind, auch nicht anhören können werde, wird mich schmerzvoll an ihn erinnern, während ich die den alben beiliegenden mp3 codes in den browser würfle.
die letzte veröffentlichung, auf der er noch zu hören ist, war der “past & present mix” für das album von 2econd class citizen. die mail von strictly kev, die dazu überraschend vor zwei wochen bei mir ankam, wird somit zum kondulenzschreiben. den mix kann man - in momoriam - immer noch hier hören / downloaden. eine meiner liebelings cut-passagen gibts im nächsten post. - das mit dem einfügen von mp3s ist ein wenig kompliziert hier.
die wirklich allerallerallerletzten cuts, die ich mit ihm aufgenommen habe, erscheinen wohl diesen herbst. wie passend. wie nämlich schon in seinem blog zu lesen, heute, in einem mir gewidmeten eintrag, arbeite ich seit nun einem knappen dreivierteljahr an einem album mit misanthrop. unterbrochen von meinen versuchen, kein student mehr zu sein, hat sich das ganze wieder und wieder aufgeschoben. und nun werden wir wohl nächstes wochenende die letzten 2-3 songs aufnehmen.
der titel des albums, das so gute 2 handvoll lieder zusammenfasst, ist gefahren im anzug. die beats stammen alle von misanthrop, auf allen songs sind wir beide zu hören, hin und wieder auch an den plattenspielern. unter anderen gibt es da ein lied über einen dicken mann, eines über komiker, eines über das warten in kalten und in warmen ländern, eines über das springen aus flugzeugen; ein song heißt “alle bücher, die ich nie geschrieben habe” und verwurstet endlich dieses eine sole-zitat, dass jeder murmelt, wenn er was intelligentes über weisse im rap sagen will. und dazu passend gibts auch einen hiphop song, genauer gesagt einen über djs. ob man die alle, meinen beschreibungen folgend, auf dem album wiederentdeckt, wird man sehen…
vor lauter vorfreude, die mir grade aufkommt, nachdem ich die letzte woche schon wieder keine zeit hatte, am album zu arbeiten, hier mein derzeitiger lieblingstext, der für das lied “der witz ist nicht mehr lustig”:
meine haltung zum leben entspricht ziemlich exakt der,
die mich über meinem schreibtisch hält:
ich halte grade genug abstand, um nicht erkennen zu müssen,
was sich außerhalb des spielraums meiner hände bewegt
um vor dem spiegel grimassen zu schneiden,
benötigt man zumeist weitaus weniger an phantasie
als dafür, über diese zu lachen,
jedes publikum ist das großartigste,
solange es an den richtigen stellen lacht oder klatscht,
und alle kommen jetzt in das alter,
in dem man über “das leben” spricht,
sarkasmus ist die ironie der gescheiterten,
ironie der sarkasmus westeuropäischer teilzeitbuddhisten:
schlechte schauspieler mit hang zum understatement
- den applaus bitte jetzt einspielen.
danke!
dass du offensichtlich lesen kannst,
macht keinen deiner sätze intelligenter,
deine plattensammlung entschuldigt nicht
einen schlechten witz über deine freundin,
dass du schlussstriche ziehen kannst,
hält noch keinen stift,
dass du dir jetzt noch ins auge sehen kannst,
macht dich nicht unbedingt sympathischer,
ja, dir stehen alle wege offen,
nur warum musst du mir im weg stehen,
um mir das zu erzählen,
- den applaus bitte jetzt…
danke.
nazis kennen die besten judenwitze,
nazis kennen auch die besten naziwitze,
das macht nazis nicht lustig,
dein kloß im hals ist der humor des nächsten,
den du so lange lieben kannst wie du willst,
er wird dabei eh nicht nach seiner meinung gefragt,
während du dir nach kräften dein leben erklärst,
- dein redefluss auf mühlen, die dir nie gehören können,
du kennst die regeln, du bist das ritual,
jede weste wird dreckig, wenn man sie länger als einen tag trägt
und kaum etwas ist so vorhersehbar
wie inhalt und ton eines jeden abschiedsbriefes
- den applaus…
danke.
der witz ist nicht mehr lustig
mir steckt weit mehr als nur mein lachen im halse
der witz ist nicht mehr lustig
dein youtube kanal interessiert dich nichtmal selbst
der witz ist nicht mehr lustig
klar, alle anderen verstehen dich kein bisschen
der witz ist nicht mehr lustig
der witz ist nicht mehr lustig
mir steckt weit mehr als nur mein lachen im hals
der witz ist nicht mehr lustig
mir steckt weit mehr als nur mein lachen im hals
der witz ist nicht mehr lustig
mir steckt weit mehr als nur mein lachen im hals